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Morawa-Vertrieb.

 30 Jahre Musikfest Waidhofen an der Thaya 

Von Mike Stern über Dobrek Bistro bis zu A Life, A Song, A Cigarette - die Jubiläumsausgabe von Österreichs langlebigstem und mit Sicherheit idyllischstem Musikfestival wartet erneut mit einem ebenso breiten wie hochkarätigen musikalischen Spektrum auf. 

New-Orleans-Jazz, verbunden mit Hip-Hop-Grooves, verspricht etwa die österreichische Formation Mammot Horns & Bones, KAL aus Belgrad werden für Urban Gypsy Beats sorgen, die US-amerikanische Singer/Songwriterin Ruthie Foster für Soul in schönster Stax-Tradition. Österreichs Ausnahme-Saxofonist Wolfgang Puschnig trifft sich in Waidhofen mit dem koreanischen Perkussions-Ensemble Samul Nori zu einem musikalischen Ideenaustausch im Spannungsfeld von Jazz und World Music, Axel Zwingenberger und Vince Weber liefern einander ein Piano-Duell.

Nebst Einheizern wie dem Blues-Rock-Gitarristen Walter Trout, Jazz-Gitarrist Mike Stern (Foto links) und dem Hot Pants Road Club Funk Orchestra wird beim Jubiläumsfest aber auch der Geschichte des generationenübergreifenden und familienfreundlichen Festivals Rechnung getragen: mit Matineen mit den Jazzhouse Ramblers und der Bluespumpm ebenso wie mit einem eigens ins Leben gerufenen „30th Anniversary Folk Club All Star Orchestra“, das mit 40 Waldviertler Musikern und 20 Songs die 30-jährige Festivalgeschichte Revue passieren lassen wird.

Folk Roots
Dass das langlebige Musikfest einmal vor allem unter dem Namen „Folk-Fest“ bekannt war, hat seinen Grund in der Entstehungsgeschichte der Waldviertler Institution, die Jahr um Jahr zum Schulschlusswochenende mehrere tausend Besucher in den idyllischen Thayapark lockt. Angesteckt vom Folk-Boom heben 1979 ein paar Musikenthusiasten, allen voran die selbst musikalisch aktiven Brüder Christoph „Stoff“ und Martin „Matsch“ Dangl, den Folk-Club in Waidhofen an der Thaya aus der Taufe, um unter anderem Konzerte mit dem schottischen Singer/Songwriter Dougie MacLean oder einem noch am Anfang seiner Karriere stehenden Hans Theessink zu veranstalten. Bereits 1980 geht ein zweitägiges, ursprünglich als „Folk-Fest“ firmierendes Festival in einem halboffenen Holz-Salettl direkt neben der Thaya über die Bühne. Neben viel Folk mit dabei: die in der Region beheimatete Blues-Formation Bluespumpm um Johann „Zappa“ Cermak, der mit ihren Kontakten in der Musikszene von Anfang an eine wichtige Katalysator-Funktion im Rahmen des Folk-Clubs zukommt. 

Ein entscheidender Erfolgsfaktor in der Festivalgeschichte, der von Walter „Max“ Zotter als Veranstaltungsgelände vorgeschlagene Thayapark, muss nur ein einziges Mal, nämlich 1984, gegen einen Stadl im nahen Vestenötting, bekannt für die besten Fleischknödel Österreichs, getauscht werden. Ansonsten garantiert die heimelige Anlage an der Thaya bis heute die Möglichkeit, mühelos zwischen konzentriertem Zuhören und geselligem Beisammensein hin- und her wechseln zu können.

Neurorientierung
Die 80er-Jahre bringen mit dem Abflauen des Folk-Booms eine musikalische Neuorientierung. Die neuen Programm-Macher Herbert Höpfl und bis 1997 auch Josef Pfabigan räumen Jazz und dem, was gerne als World Music etikettiert wird, sowohl im Jahresprogramm des Folk-Clubs als auch dem folgerichtig in „Musikfest“ umbenannten Festival mehr Platz ein. Internationales steht neben Österreichischem bzw. Lokalem, Fixgrößen sind ebenso vertreten wie Nachwuchstalente. So tauchen fortan so unterschiedliche Musiker und Bands wie Karl Heinz Miklin, Andy Irvine, Katie Webster, Die Knödel, David Friesen, Kevin Coyne, Ricardo Tesi & Patrick Vaillant, Karl Ratzer, Magic Slim, Broadlahn, Harri Stojka, Ronnie Urini, Peter Ratzenbeck, Muszikas, Roland Batik, Twist Of Fate, Rüdiger Oppermann, Zipflo Weinrich und viele, viele mehr bei dem ab 1986 auf drei Tage ausgeweiteten Fest auf. Manche wie die Mojo Blues Band oder die Jazz House Ramblers, die für viele Jahre für ein sonntägliches Jazz-Frühschoppen sorgen, entwickeln sich zu treuen Stammgästen. 1989, anlässlich des zehnten Musikfests, sind die Superstars der irischen Musik, The Chieftains, in Waidhofen zu Gast und bitten dabei auch die lokalen Folk-Enthusiasten Rooner Meye auf die Bühne – ein Brückenschlag, der auch auf die Folk Roots des Festivals verweist. 

Obwohl das Musikfest damit endgültig erwachsen geworden ist, wird die Arbeit dafür bis heute ausschließlich ehrenamtlich geleistet. Rund 260 freiwillige Mitarbeiter sind während des Festivals im Einsatz, ob als professionelle, aber verglichen mit den sonst üblichen Security-Lackeln ungleich sympathischer agierende Ordner, an den Kassen, beim Auf- und Abbau, als Ärzte und Sanitäter oder in jenem Bereich, wo – unter anderem mit den weit und breit besten Brathendln - für das leibliche Wohl der Festivalgäste gesorgt wird. Bereits seit der Pionierphase des Festivals wird mit Publikums-Wettbewerben wie der Sautrog-Regatta auf der Thaya dafür gesorgt, dass die Besucher nicht nur Erinnerungen an die Musik mit nach Hause nehmen, ein professionelles Kinderprogramm, heuer u.a. mit Timna Brauer, garantiert auch den Jüngsten kurze Weile.

Warming Up Day
Als wäre das alles nicht genug, sorgt die anfangs nur zögerlich angenommene, heute nicht mehr weg zu denkende Einrichtung des Warming Up Day am Donnerstag vor dem Hauptfest im Thayapark dafür, dass die ganze Innenstadt Waidhofens – bei freiem Eintritt - zur Bühne wird. Beim Flanieren können so unterschiedlichste Musiker in und vor sieben Lokalen erlebt werden. Einheimische, die ihren Festivalbesuch noch vor sich haben, mischen sich hier ebenso ins Publikum wie rechtzeitig angereiste Festival-Stammgäste. Eine bessere Einstimmung auf ein „Folk-Fest“ im Sinne eines grenzenüberschreitenden Musikfests ist jedenfalls kaum vorstellbar. Karl Gedlicka

Festival-Tipp:
30. Int. Musikfest Waidhofen/Thaya, Thayaparkgelände
3. bis 5. Juli 2009,
nähere Info: www.folkclub.at


Das verantwortliche Folk-Club-Team im Jubiläumsjahr, von links nach rechts:
René Reiter, Martin Pany, Karl Herbeck, Herbert Höpfl, Christian Herbeck, Peter Wartbichler, Alexander Würrer, Marc Bruckner

 

Herbert Höpfl, Festivalleiter,
über die Gegenwart und die Zukunft

Wie ist der momentane Stand der Dinge in der Musikwelt. Macht sich die Krise auch bei den Veranstaltern bemerkbar?

Momentan ist nichts davon zu bemerken. Da wir doch ein Nischenprodukt in Sachen Musik anbieten und die Besucherzahlen nicht im Vordergrund stehen, ist das momentan kein wirkliches Thema. Ich denke aber, dass wir die Krise etwas zeitversetzt in irgendeiner Art doch spüren werden. Es wird uns nicht aus der Bahn werfen, gewisse Abstriche in Bereichen wie Frequenz der Konzerte oder das Engagement von teureren Künstlern könnte ein Thema werden.  

Das Musikfest Waidhofen gibt es nun schon seit 30 Jahren, wie ist es Ihnen gelungen, sich das Publikum über so einen langen Zeitraum zu erhalten?
Die Antwort wird wohl lauten müssen: Konsequenz, Konsequenz und nochmals Konsequenz. Dem Publikum kein X für ein U  vormachen und versuchen wirkliche Qualität zu bieten. Sich nicht dem Kommerz zu beugen, auch Konzerte zu bringen, die völlig abseits irgendwelcher Pfade liegen. Andererseits auch durchaus mal einem Publikumswunsch nachzugeben. Kurz gesagt: Eine gute Programm-Mischung, die aber immer wieder hinterfragt werden muss.
 

Die Musikauswahl wurde immer vielschichtiger, war das ein Wunsch des Publikums?
Der Club wurde 1979 von einigen Folk-Begeisterten gegründet. Im Laufe der Zeit begnügte man sich nicht nur mit Folk Music. Mein erstes Konzert, das ich veranstaltete, war 1982 mit der Mojo Blues Band, damals ein Novum in Waidhofen. Mir war eine musikalische Bandbreite immer wichtig, es ging Hand in Hand mit dem Publikum. Sowohl das Publikum als auch ich entwickelten sich weiter. Jeder gab dem anderen Ideen, ohne es direkt vielleicht zu merken. So ist das auch heute noch.

Heuer wird es ein paar ganz besondere Highlights geben. Nach welchen Kriterien suchen Sie sich die Künstler aus?
Zunächst gibt es schon das „Rohgerüst“, nämlich Folk, Blues, World Music und Jazz. Danach wird mal Ausschau gehalten. Nachdem Waidhofen österreichweit und international für Insider ein Begriff ist, ist das Angebot an Musikern sehr groß, andererseits habe ich den gnädigen Vorteil, meine Kontakte durch die Arbeit bei Concerto auch für den Folk-Club zu nutzen und natürlich vice versa. Die Programmgestaltung leitet sich auch hier durch eine Mischung von Bewährtem, Neuem und Schrägem ab. Das sind drei gute Parameter für Waidhofen.
 

Ist es wie bei allen anderen Großveranstaltungen auch in Waidhofen so, dass nach dem Fest schon wieder vor dem Fest ist? Und wie soll es mit dem Folkfest weitergehen?
Das „Folkfest“ hieß eigentlich immer Musikfest. Die Planung beginnt insofern gleich nach dem Festival, da danach eine kritische Bilanz gezogen wird. Dann ist  Sommerpause, denn auch Idealisten, die nie einen Cent verdienen, hauen sich mal gerne auf die faule Haut. Die Planung beginnt dann Ende September. Im Dezember wird dann ein Rohprogramm fertig, Ende März muss dann alles unter Dach und Fach sein. Das Festival geht solange weiter, solange der Spirit von allen Mitarbeitern passt. Das Ende ist somit nicht wirklich absehbar.

Das Interview führte Alfred Krondraf

 

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