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blues talk
FOLGE 72
Stilisten an der Gitarre Vol. XI
Eine weitere Ausgabe der Helden der Saiten und ihrer
stilistischen Vielfalt
Geboren
1939 in Conway, Arkansas, hat Craig Horton eine nicht untypische,
bluesgeographische Reise hinter sich. Seine Jugend verbrachte er auf einer
Farm, danach zog es ihn in das Zentrum des elektrischen Nachkriegsblues,
Chicago. Heute lebt der Gitarrist und Sänger in Oakland, Kalifornien, und
dies bereits seit über vierzig Jahren. Musikalisch stand Horton bereits in
den späten Fünfzigern im Rampenlicht, allerdings nicht, wie vielen
Geschichtsbüchern zu entnehmen ist, als Saitenmann in der Band Little
Walters. Die Zahl der Bluesgrößen, mit denen er arbeitete, ist trotzdem
lang, in den Achtzigern tourte er als Leadsänger und –gitarrist etwa mit
Sam Myers. Manchen ist Craig Horton auch für seinen Gitarrenpart auf Jump
Jacksons 1962er-Hit „Midnight Shuffle“ ein Begriff. Durch seine weitere
Übersiedlung von der Windy City an die West Coast erweiterte sich die
stilistische Breite des Gitarristen Horton naturgemäß. Sein Spiel zeigt
Einflüsse T-Bone Walkers ebenso wie B.B. Kings. Jazz, Blues, R&B und R’n’R,
all diese Ingredienzien hat der Amerikaner in sein Spiel integriert und
daraus eine eigene, tönende Sprache entwickelt. Dazu tritt ein versiertes
Songwriting, das ihn ebenfalls in die erste Reihe der Bluesmen seiner
Generation stellt.
Blues
aus Kanada hat sich gerade im letzten Jahrzehnt (erneut) in die Gehörgänge
der Zwölftaktgemeinde gespielt. Erfreulicherweise scheint sich dabei vor
allem eine junge Garde an Musikern diesem Genre in seinen vielfältigen
Facetten zuzuwenden. JW-Jones ist ein nahezu idealtypischer
Vertreter jener Spezies. Ein Sänger und Gitarrist, der sich nicht in die
Masse von Alterskollegen einordnet, welche den Altvorderen unbedingt
beweisen müssen, dass Lichtgeschwindigkeit für sie kein Fremdwort ist und
Jimi Hendrix eine lahme Ente war. Auch mit 08/15-Rockblues hat JW-Jones
wenig am Hut. Dafür um so mehr mit gediegenem Handwerk, beheimatet vor
allem im West-Coast-Stil eines Rick Holmstrom oder Alex Schultz. Jones hat
seine Plattensammlung offenbar ausgiebig studiert, scheut vor
Instrumentals ebensowenig zurück wie vor Jazzeinflüssen, ohne jedoch
antiquiert zu wirken. Seine Qualitäten haben sich in der Szene auch unter
Kollegen rasch herum gesprochen, so standen ihm bereits Größen wie Hubert
Sumlin, Charlie Musselwhite oder Kim Wilson zur Seite.
Thomas
Rufs RUF-Bluescaravan ist immer wieder ein Garant für die Entdeckung neuer
Blues(rock)talente. So trat auch eine heute 23-jährige Sängerin und
Gitarristin ins Rampenlicht, die trotz ihrer Jugend eine erstaunliche
Reife an den Tag legt. Das nimmt allerdings nicht Wunder, berücksichtigt
man, dass Joanne Shaw Taylor seit ihrem vierzehnten Lebensjahr im
UK tourt. Mit siebzehn spielte sie an der Telecaster sogar bei D.U.P.,
gemeinsam mit Dave Stewart, Jimmy Cliff und Candy Dulfer. Dave Stewart
hielt gar fest, er hätte nie zu wagen gehofft „a British White Girl
playing blues guitar so deep and passionately it made the hairs on the
back of my neck stand on end!“ Die Dame aus Birmingham geht live recht
hart (aber herzlich) zu Gange, da wird der Bluesrock ausgiebig mit
Feedback getränkt, immerhin hat man ja auch Jimi Hendrix als eines der
Vorbilder gewählt, ebenso Stevie Ray Vaughan und ist dem Power-Trio-Format
daher durchaus zugetan. Tonträgermäßig ist Taylor da schon differenzierter
angelegt. Hinzu kommt, dass sie überdies ausgiebig dem Songwriting huldigt
und damit heftig an ihren eigenen Footprints arbeitet.
C D - T I P P S
- Craig Horton
„Touch Of The Bluesman“, BadDaddy Records
- The JW-Jones Blues Band „Bluelisted“, Cross-Cut Records
- Joanne Shaw Taylor „White Sugar“, Ruf Records
WEB-TIPPS
www.baddaddy.com/artists_horton.html
www.jw-jones.com
www.pigs-ear.biz/jst/
www.hoscherscoloursofblues.com
Zur Information: Das gesamte Interview
mit den 3 Blues-Interpreten lesen Sie in der
Ausgabe 4-10
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