Zu finden in der CONCERTO Ausgabe
4-10,
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Mavis Staples „You’re Not Alone" „Beautiful!“ Mavis Staples vollkommen zu Recht geflüstertes Verdikt nach einer gemeinsamen Version von „The Weight“ mit The Band gehört zu schönsten Momenten von Martin Scorseses Konzertfilm „The Last Waltz“. Die Staples Singers, das von ihrem Vater Pops Staples gegründete Ensemble, das nach archaischen Gospel-Anfängen zunehmend die Grenzen zum Soul verwischen und sich immer wieder für die Anliegen der Bürgerrechtsbewegung stark machen sollte, hatte den Song bereits auf ihrem 1968 von Steve Cropper für das Stax-Label produzierten Album mit dem bezeichnenden Titel „Soul Folk in Action“ aufgenommen. Und noch einmal, 1994, sollte der Song nach einer Einspielung mit Marty Stuart für das Konzept-Album „Rhythm, Country and Blues“ den Staples Singers eine Renaissance bescheren und gleichzeitig die Durchlässigkeit musikalischer Genres aufs Schönste vorführen.
Gastauftritte bei anderen Musikern - von Ray Charles, George Jones und Dr. John bis zu Los Lobos, Natalie Merchant und John Scofield - belegen indessen, dass die Bewunderung für die Sängerin nie nachgelassen hat. Davon zeugen auch die unzähligen Samples von Staples‘ Stimme, derer sich Hip-Hop-Acts wie Salt ‚N‘ Pepa, Ice Cupe oder Ludacris gerne bedienen. Gemeinsam mit ihrem alten Freund Bob Dylan wurde Staples 2003 für die zusammen eingespielte Version von dessen Neo-Gospel-Song „Gonna Change My Way of Thinking“ nominiert. Wie erst viel später bekannt wurde, hatte Dylan in den frühen 60er-Jahren – vergeblich – um die Hand von Staples angehalten.
Diese Tatsache machte sich denn auch Wilco-Frontman Jeff Tweedy zu Nutze, der das jüngste Album der Sängerin, „You Are Not Alone“, produzierte. Statt der Soul/Gospel-Ikone ein neues Konzept aufzudrücken, vertraut Tweedy ganz auf das Charisma von Staples‘ Stimme und das bewährte Fundament ihrer Tour-Band. Für musikalischen Funkenschlag sorgen die souligen Licks von Holmstroms erdigem Gitarrenspiel, während sich Tweedy und sein Wilco-Kollege Patrick Sansone ebenso wie der aus Kelly Hogan, Nora O’Connor und Richard Parenti bestehende Background-Chor nahtlos ins Ensemble einfügen. Und auch bei der Songauswahl hat Tweedy, ebenso wie Staples in Chigago beheimatet, alles richtig gemacht. Neben traditionellen Gospel-Songs gibt es Covers von Songs von Randy Newman, Allen Toussaint, John Fogerty, Rev. Gary Davis, Little Milton und Mavis‘ Vater Pops Staples. Zudem hat Tweedy zwei Songs eigens für Mavis Staples geschrieben. Das Ergebnis ist ein vom ersten bis zum letzten Ton berührendes Album – vielleicht das bisher beste Solo-Album in der bereits 60 Jahre andauernden Karriere von Mavis Staples.
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