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Morawa-Vertrieb.

Mavis Staples „You’re Not Alone"

Die Grand Dame des Soul und Gospel veröffentlicht ein rundum wunderbares, von Wilco-Frontman Jeff Tweedy produziertes Solo-Album.

„Beautiful!“ Mavis Staples vollkommen zu Recht geflüstertes Verdikt nach einer gemeinsamen Version von „The Weight“ mit The Band gehört zu schönsten Momenten von Martin Scorseses Konzertfilm „The Last Waltz“. Die Staples Singers, das von ihrem Vater Pops Staples gegründete Ensemble, das nach archaischen Gospel-Anfängen zunehmend die Grenzen zum Soul verwischen und sich immer wieder für die Anliegen der Bürgerrechtsbewegung stark machen sollte, hatte den Song bereits auf ihrem 1968 von Steve Cropper für das Stax-Label produzierten Album mit dem bezeichnenden Titel „Soul Folk in Action“ aufgenommen. Und noch einmal, 1994, sollte der Song nach einer Einspielung mit Marty Stuart für das Konzept-Album „Rhythm, Country and Blues“ den Staples Singers eine Renaissance bescheren und gleichzeitig die Durchlässigkeit musikalischer Genres aufs Schönste vorführen.

Gänsehaut-Stimme
Mavis Staples, deren tiefe, ausdrucksstarke Stimme beim Zuhören Gänsehaut garantiert, konnte zu diesem Zeitpunkt längst auf eine abwechslungsreiche Solo-Karriere zurückblicken. Noch 1969 hatte die Sängerin ihr Solo-Debüt auf dem Stax-Label veröffentlicht, dem unter anderem ein von Curtis Mayfield produzierter Soundtrack folgte. Gleich zwei Solo-Alben von Mavis-Staples sollte Prince, seit Langem ein erklärter Fan der Sängerin, 1989 („Time Waits for No One“) und 1993 („The Voice“) produzieren, um sie zwischendurch auch für sein eigenes Projekt „Graffiti Bridge“ zu engagieren. 1996 erwies die tief in spiritueller Musik verwurzelte Sängerin mit dem Album „Spirituals & Gospel“ Mahalia Jackson ihre Referenz. Erst acht Jahre später erschien wieder ein viel zu wenig beachtetes Solo-Album von Staples: „Have a Little Faith“. 

Gastauftritte bei anderen Musikern - von Ray Charles, George Jones und Dr. John bis zu Los Lobos, Natalie Merchant und John Scofield - belegen indessen, dass die Bewunderung für die Sängerin nie nachgelassen hat. Davon zeugen auch die unzähligen Samples von Staples‘ Stimme, derer sich Hip-Hop-Acts wie Salt ‚N‘ Pepa, Ice Cupe oder Ludacris gerne bedienen. Gemeinsam mit ihrem alten Freund Bob Dylan wurde Staples 2003 für die zusammen eingespielte Version von dessen Neo-Gospel-Song „Gonna Change My Way of Thinking“ nominiert. Wie erst viel später bekannt wurde, hatte Dylan in den frühen 60er-Jahren – vergeblich – um die Hand von Staples angehalten.

Comeback mit Ry Cooder
2007 kam schließlich auch Staples‘ Solo-Karriere wieder ordentlich in die Gänge. Verantwortlich dafür war Slide-Gitarren-As und Musik-Archäologe Ry Cooder, der 1992 auch das formidable Solo-Debüt von Mavis‘ Vater Pops Staples, „In the Neighborhood“, mitproduziert hatte. „We’ll Never Turn Back“, gleichzeitig Mavis Staples' Debüt auf dem Label Anti, das heute unter anderem auch Tom Waits eine neue Heimat bietet, markierte ein grandioses Comeback zwischen Gospel, Soul und Blues, welches das anhaltende Engagement der Sängerin für die Anliegen des Civil Rights Movement auf bewegende Weise fühlbar macht.
Wie gut Staples den Schwung aus diesem Comeback zu nützen wusste, zeigt das zuletzt ebenfalls auf Anti erschienene Live-Album „Hope at the Hideout“. Staples erweist sich dabei nicht nur als ungemindert hinreißende Performerin, sie hat auch eine kongeniale Band um den wunderbar ungehobelten Gitarristen Rick Holmstrom an ihrer Seite.

Diese Tatsache machte sich denn auch Wilco-Frontman Jeff Tweedy zu Nutze, der das jüngste Album der Sängerin, „You Are Not Alone“, produzierte. Statt der Soul/Gospel-Ikone ein neues Konzept aufzudrücken, vertraut Tweedy ganz auf das Charisma von Staples‘ Stimme und das bewährte Fundament ihrer Tour-Band. Für musikalischen Funkenschlag sorgen die souligen Licks von Holmstroms erdigem Gitarrenspiel, während sich Tweedy und sein Wilco-Kollege Patrick Sansone ebenso wie der aus Kelly Hogan, Nora O’Connor und Richard Parenti bestehende Background-Chor nahtlos ins Ensemble einfügen.

Und auch bei der Songauswahl hat Tweedy, ebenso wie Staples in Chigago beheimatet, alles richtig gemacht. Neben traditionellen Gospel-Songs gibt es Covers von Songs von Randy Newman, Allen Toussaint, John Fogerty, Rev. Gary Davis, Little Milton und Mavis‘ Vater Pops Staples. Zudem hat Tweedy zwei Songs eigens für Mavis Staples geschrieben. Das Ergebnis ist ein vom ersten bis zum letzten Ton berührendes Album – vielleicht das bisher beste Solo-Album in der  bereits 60 Jahre andauernden Karriere von Mavis Staples. 

CD-TIPP:
Mavis Staples „You Are Not Alone“, Anti, Vertrieb: Edel

L I V E - T I P P:
12. bis 14. November 2010: Luzern, Schweiz, Lucerne Blues Festival
www.bluesfestival.ch

 

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