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Zu lesen
in der
CONCERTO Ausgabe 6-08,
www.concerto.at
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auch über den Fachzeitschriftenhandel
Morawa-Vertrieb
Der
„kleine“ Große
Diknu
Schneeberger im Gespräch
Der
junge Gitarrist Diknu Schneeberger, Österreichs zur Zeit bekanntester und
erfolgreichster Gypsymusiker, schrammte heuer nur knapp an einer weiteren
Auszeichnung, nämlich „Newcomer Of The Year“ im Zuge des Hans Koller
Preises, vorbei. Bereits 2006 war er in der Kategorie „Talent of the Year“
ausgezeichnet worden. Der Saitenvirtuose, Jahrgang 1990, hat also schon in
jungen Jahren eine beachtliche Karriere hingelegt. Seine 2007 erschienene
CD „Rubina“, er hatte sie mit Martin Spitzer, dem Hans Koller Preisträger
der Kategorie „Sideman of the Year“ 2008, und seinem Vater Joschi
Schneeberger, eingespielt, wurde quer durch die Lande in den höchsten
Tönen gelobt. Concerto-Mitarbeiter Alfred Krondraf sprach mit dem
Jungtalent über seine Karriere und Pläne.
Du
warst auch heuer wieder für den Hans Koller Preis nominiert. Bekommen hast
du ihn allerdings nicht. Was denkst du, warum es heuer nicht geklappt hat?
Kann
ich so nicht sagen. Vielleicht lag es an meiner Jugend, ich bin noch sehr
jung, ich habe noch viel vor mir, und vielleicht klappt es ja in zehn
Jahren.
Die
Jugend ist sicher ein Argument, aber kann es nicht auch sein, dass die
Musik, die du machst, den Juroren eben nicht so wichtig ist, und hätte
Gypsyjazz nicht mehr Aufmerksamkeit erzielt, wenn ein Musiker wie du aus
diesem Genre ausgezeichnet worden wäre?
Nein, diese Musik ist ja schon sehr populär.
Warst du enttäuscht?
Nein,
überhaupt nicht. Ich habe den Preis dem Martin Spitzer mehr als gegönnt.
Er hat ihn sich wirklich verdient.
Seit
wann bist du eigentlich schon als Profimusiker unterwegs?
Vor vier
Jahren, ich war damals 15 Jahre alt, habe ich begonnen, regelmäßig in der
Band meines Vaters (des Bassisten Joschi Schneeberger, Anm. d. Red.)
mitzuspielen. Seit zwei Jahren bin ich mit meinem eigenen Trio unterwegs.
Ich habe damals schon gelebt davon.
Wie
kam es dazu? Es gibt ja die Legende, du hättest irgendwann einmal gesagt,
du möchtest Gitarre spielen, hättest dich hingesetzt, das Instrument zur
Hand genommen und Tags darauf bereits in der Band deines Vaters
mitgespielt.
Ganz so war es nicht (lacht). Mein Vater hat damals ein Trio gehabt
mit dem Karl Hodina und dem Striglo Stöger, und er wollte schon immer eine
zweite Rhythmusgitarre, weil es ganz einfach mehr Druck macht. Ich habe
damals Schlagzeug gespielt und war knapp vor dem Aufhören. Ich wollte
nicht mehr Schlagzeug spielen. Mein Vater fragte mich dann, ob ich nicht
Gitarre spielen möchte. Er wollte mit mir zusammenspielen, und er wollte
in seiner Band eben kein Schlagzeug haben sondern die typische
Gypsybegleitung. Warum nicht, habe ich mir gedacht, ich habe es damals
mehr als Hobby gesehen, aber die Liebe zur Gitarre war dann sehr schnell
da. Ich habe dann jeden Tag etliche Stunden gespielt, es ging schon sehr
schnell damals.
Du
hast doch dann auch sehr schnell im Ensemble deines Vaters mitgespielt?
Ich
glaube, nach zwei Monaten war es dann soweit, da habe ich dann schon bei
drei Liedern mitgespielt bei den Konzerten, und nach dem dritten Konzert
war ich dann die ganze Zeit über dabei. Nach zwei Monaten hatte ich die
Grundbegriffe der Rhythmusgitarre intus und konnte begleiten. Mit dem
Striglo Stöger habe ich ein wenig geprobt, wir haben neue Lieder
eingespielt, und eines ergab eben das andere.
Bist
du mit Gypsymusik aufgewachsen? Hast du deine Kindheit mit dieser Musik
verbracht?
Bei uns zu Hause wurde ständig geprobt, ich hatte ständig Gypsyjazz in den
Ohren. Ich habe total viel mitbekommen, und diese Musik hat mich natürlich
geprägt.
Hast
du zu der Zeit, als du in der Band deines Vaters gespielt hast, schon
Unterricht genommen?
Unterricht in dem Sinn nicht. Striglo Stöger kam eben manchmal zu uns, und
wir haben gemeinsam geprobt. Es war aber eher freundschaftlich, es war
keine Unterrichtsstunde. Ein gemeinsames Spielen eben. Erst mit 15 habe
ich begonnen, bei Martin Spitzer Unterricht zu nehmen. Ich wollte auch ein
wenig Theorie lernen, wollte besser werden. Nach einem Jahr sagte Martin
Spitzer zu mir „Jetzt sind wir Kollegen, nicht mehr Lehrer und Schüler. Ab
sofort lernen wir voneinander“. Es hat sich eine Freundschaft ergeben, wir
haben zusammen neue Lieder gespielt, und irgendwann kam dann mein Vater
dazu und wir haben zu dritt gejammt. Daraus entstand dann das Diknu
Schneeberger Trio.
Wie
fühlt man sich als so junger Mensch, wenn der Lehrer plötzlich sagt, wir
sind Kollegen?
Es war
ein unglaubliches Gefühl, und ich bin sicher, dass nicht viele Lehrer so
reagieren. Der Martin Spitzer ist extrem bescheiden und stellt sich nie in
den Vordergrund. Natürlich habe ich auch damals schon nicht schlecht
gespielt, aber das heißt oft nicht viel bei Lehrern.
Die
CD „Rubina“ kam dann ja sehr schnell auf den Markt, der Erfolg stellte
sich rasch ein.
Ende
2006 haben wir „Rubina“ aufgenommen. Die Arrangements haben Martin Spitzer
und ich gemacht, mein Vater hat dann noch den einen oder anderen Tipp
gegeben, und 2007 war die CD fertig.
Die
CD war ein voller Erfolg, du warst 16 Jahre alt. Wie fühlt man sich, wenn
man in so jungen Jahren schon im Rampenlicht steht, wenn man ein Trio hat,
das den eigenen Namen trägt? War es schwer für dich, das alles zu
realisieren und zu verarbeiten?
Eigentlich war es schwer und ist auch jetzt noch so. Weil ich habe es nie
als Arbeit gesehen, es hat mir immer Spaß gemacht, und ich spiele und ich
übe auch gerne. Ich habe mir nie gedacht, ich möchte es erreichen und
schaffen, es war immer ein Vergnügen für mich. Es ist schwer zu
realisieren, dass man mit Spaß und Freude so viel erreichen kann. Ich rede
manchmal mit meinem Vater darüber, was wir schon alles erreicht haben, wir
lassen die Vergangenheit Revue passieren, und ….es ist ein sehr, sehr
gutes Gefühl.
Du
bist schon viel in der Welt herumgekommen. Nicht als Tourist sondern als
Profimusiker. Hast du da auch Idole kennengelernt? Hast du da das Gefühl
gehabt „Wunderkind, ja aber…“?
Nein,
absolut nicht. Aber ich habe viele Musiker kennengelernt, die ich schon
immer gerne kennenlernen wollte. Birelli Lagrene ist ein großes Idol für
mich, und mit ihm durfte ich auf einem Festival in Lyon in Frankreich
gemeinsam auf der Bühne stehen und eine Nummer spielen. Ein wunderbares
Gefühl. Ich habe sehr tolle Leute kennengelernt, von denen ich nie dachte,
sie mal zu treffen.
Spielst du am liebsten auf großen Festivals oder in kleinen Clubs?
Ich mag
alles. Jeder Gig hat seinen Reiz. Viel Publikum ist ein gutes Gefühl, aber
auch kleine Clubs haben ihren Charme. Man hat einen viel intimeren Kontakt
mit den Besuchern.
Die
„Legende“ über deinen rasanten Einstieg in die Musik haben wir ja schon
aufgeklärt. Worüber auch immer gerätselt wird, ist dein Name. Was bedeutet
er?
Wir
sind Sinti, und in unserer Sprache bedeutet der Name ganz einfach
„Kleiner“.
Artikel und Interview: Alfred Krondraf
Fotos: Haun
CD-Tipp:
Diknu Schneeberger Trio „Rubina“
Live-Tipps
Joschi Schneeberger Sextett
13.01.09 Fernwärme Wien 21.00
26.02.09 Jazzland Wien 21.00
Diknu Schneeberger Trio
19.12.08 Zum lustigen Radfahrer, Wien
20:00
20.12.08 Jahrhundertbeisl, Wien 20.00
14.01.09 Sandras Salon, Wien 20.00
27.01.09 Jazzland, Wien 21.00
Diknu Schneeberger Georg Breinschmid/Stian Carstensen und Beni Schmid
30.01.09 Porgy & Bess, Wien 21.00
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