Electronic in den 90ern

Was unseren Austropop-Helden außer Falco nie gelang, schaffen heutzutage Leute wie Kruder & Dorfmeister, Pulsinger & Tunakan, Christian Fennesz, Peter Rehberg, oder die Leute um das Subetage-Label scheinbar mühelos.

Nämlich: eine weltweite Präsenz. Sei es als tourende DJs oder als Livegäste bei Festivals. Dieser Erfolg begründete sich vor allem dadurch, daß es bei elektronischer Musik keinerlei Sprachprobleme gibt.Die Musik der Neunziger ist quasi ein nonverbales Medium einer Massenbefriedigung, die die transnationale Verbreitung von Mythen erlaubt. Das liegt daran, daß Audiotechnologie, sei es der Plattenspieler, der Sampler bis hin zur KOAN-Software den traditionellen Medien so weit überlegen ist. Wiens lange Isolierung von der Popwelt bis zu Beginn der Neunziger hatte auch den positiven Aspekt einer Druckkammer, wo auf einmal ganz neue Dinge möglich wurden. Wo mit Rock und Indie-Alternative-Sounds (siehe z.B. die Band Heinz oder die Underground Band Maische, aus der Christian Fennesz herauskam) kein „Leiberl“ zu reißen war, hat sich mit dem Beginn der Club- und Technobewegung eine kleine aber feine Szene aufgebaut. Von den ersten Anfängen des Mainframe-Techno-Labels Anfang der 90er über Cheap, Pomelo etc. haben sich einige „Häuser“ entwickelt, die heute recht gut etabliert sind. Die Produzenten arbeiteten vorerst von ihren Wohnzimmern aus und spielten bei ihren eigenen Veranstaltungen. Der Ursprung der Groove-Szene liegt an sich beim legendären Wiener Club Soul Seduction (1987), wo Kruder & Dorfmeister, DJ DSL, Werner Geier etc. tätig waren. Dort waren das erste Mal feine House-Sounds, Soul und HipHop etc. zu hören. Daraus entwickelten z.B. Werner Geier und Rodney Hunter ihre eigene Spielwiese Uptight Records mit Dopebeats, Soul und HipHop.K&D-Produktionen für Count Basic oder z.B. für Madonna kreiierten mit zum Teil neuen Rhythmen eine ständige tönende Entdeckungsreise – wie Kruder meint – eine Art „Sonic Fiction“.Neben der in Discos etablierten Techno-, House- und HipHop-Szene legten in den letzten zehn Jahren vor allem die Bands Wipeout oder Fetish 69 – zwei Speerspitzen heimischer Techno/Rock /Performance-Brachialgewalten – bei ihren Produktionen immer mehr Wert auf synthetische Sounds. Und das kam ihren popkompatiblen Stücken nur zu Gute. Neue Talente wie die Familie Seelig vom Linzer Base-Label zeigen, daß es auch in Österreich witzige elektronische Crossover-Produktionen gibt, die internationalen Vorbildern in keiner Weise nachstehen. Dr. Nachtstrom aus Graz beweist ebenfalls, daß Heimproduzenten nach wie vor aktuell sind. Die Sofa Surfers brachten ihre eigenen Variante von Dub und Slow-Motion Beats schon bis nach Japan. Curd Duca oder die Onemanband Lichtenberg lieferten „Sleazy Listening“ bester Qualität. Alex Is My Bro versucht quasi fast im Alleingang dem Genre Electro Neues abzugewinnen und das nicht mal schlecht. DJ Jeremiah mit seinem Grow-Label setzt auf besten Disco-House und seine nach Berlin ausgewanderten Partner DJ Tin und Duke betreiben dort das qualitätsbewußte Techno-Label Central. Nicht unbedingt im internationalen Aufwind (sprachbedingt) sind unsere heimischen HipHop-Apologeten. Doch sind sie seit Beginn der Neunziger aktiv und immer für interessante Produktionen gut. Neben dem Urgestein Schönheitsfehler, machen auch Luv Lite Massive mit totalem Partysound, Texta, Total Chaos und die Aphrodelics eine gute Figur. Von der Seite samt ihrem Jungle-Umfeld (Böastabs Jump Up-CD-Collection) ist sicher noch einiges zu erwarten.Die von den Medien als neue Wiener Elektronik-Schule bezeichnete Szene hat sich in weniger als zehn Jahren zu einem regelrechten Hype entwickelt, der sogar – wie immer zu spät – von den Majorfirmen erkannt wurde (Beispiel: Vienna Scientists).     Hans Kulisch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kruder & Dorfmeister – international erfolgreich