Die österreichische Pop- und Rockszene in den 90ern

Im Rückblick betrachtet ist die Austroszene vor allem die Geschichte von nicht erfüllten Hoffnungen und von bodenständigen Unikaten. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Als 1991 Nirvanas Album "Nevermind" symbolträchtig Michael Jacksons "Dangerous" von der Spitze der amerikanischen Charts verdrängt, ist die Zeit der glattgestriegelten 80er endgültig vorbei. Dies hat auch in Österreich Auswirkungen. Die niederösterreichischen Rocker Ballyhoo schaffen 1992 mit "She" das MTV "video of the week". Ihr Album "A Door In A Window" wird vom WDR zum "Album der Woche" und die Band vom ORF zum "Newcomer des Jahres 1992" gekürt. Doch der Grunge geht vorbei und Ballyhoo ebenfalls. Ähnliches widerfährt Birdbrain, der österreichischen Antwort auf die 1994 alles beherrschenden Cranberries. Auch das Birdbrain-Feuer ist nur von Stroh gespeist. Doch 1994 passiert auch ein kleines Popwunder in unseren Landen. Mit romantischen, hippieesken Balladen landen Papermoon einen Kassenschlager. Leider zerstreiten sich die beiden Protagonisten, so daß auch dieses Kapitel bald wieder zugeschlagen werden muß.Genauso wie das der Electric Eels, die 1995 mit dem Britpop an die Öffentlichkeit kommen und sie noch vor ihm wieder verlassen.Österreichs Crossover-Variante heißt Paradise Now! und bricht 1996 in die kränkelnde Rockszene der Nation ein. "Speakin’ In Tongues" wird der Titelsong des Snowboard World Cup 1997/98, die Band spielt im Vorprogramm zu U2 (1997) und The Rolling Stones (1998) vor zigtausend Leuten, und trotzdem bleibt das folgende Album "erica" (1999) in den Regalen liegen.Und während in unserem bundesdeutschen Nachbarland Deutsch singende Bands wie Die Ärzte, Die Toten Hosen und Tocotronic Hallen und sogar Stadien füllen, haben heimische Bands wie Stahl und Heinz Probleme, überhaupt zu Auftritten in Clubs zu kommen. Aber immerhin, Heinz können sogar von ihrer Musik leben, und dann gibt es da ja noch Alkbottle.

Stars made in Austria

Mit simplen, aber deftig-wienerischen Coverversionen bekannter Rockhits erreicht die Band von "No sleep Till Meidling" (1993) bis zu ihrer Abschieds-CD "The Last Of" (1998) ein Publikum, das in die 100.000 geht.Noch viel mehr Menschen erreicht Hubert von Goisern. Als 1992 "Aufgeigen statt niederschiassen" erscheint, rechnet wohl niemand damit, daß diese Platte die Musiklandschaft im alpenländischen Raum nachhaltig verändern würde. "Koa Hiatamadl" aber erweist sich als massenkompatibel. Sowohl Rock-, Folk- als auch Schlagerfreunde können damit etwas anfangen, und bis heute üben sich diverse Formationen in dieser Mischung aus Rock und Austro-Folk. Hubert von Goisern allerdings beendet nach einer ausverkauften Tournee mit den Alpinkatzen Mitte der 90er seine Karriere als Alpenrocker. Und nahm sie bis heute nicht mehr auf.Anders der selbsternannte Professor Kurt Ostbahn. Was er 1984 mit seiner Chefpartie vielversprechend begann, kann er in den 90ern fortsetzen, und auch wenn er nach Auflösung der Chefpartie (1994) nicht mehr ganz so erfolgsverwöhnt ist, so gehört Ostbahn Kurti doch zu den populärsten und namhaftesten Musikern unseres Landes.Zu denen gehört auch Hansi Hölzl. Auch wenn die Umstände, die zu seinem neuerlichen Ruhm führen, sehr tragische sind. Doch immerhin, noch vor seinem Tod kann Falco sich über eine Hitparadenplazierung mit "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da" freuen. Was nach seinem Tod passiert, ist eine eher unerfreuliche, aber doch Geschichte.Geschichte sind auch die großen Zeiten der österreichischen Liedermacher Ambros, Fendrich und Danzer. Dachte man bis 1997 zumindest. Doch plötzlich stehen die drei gemeinsam auf der Bühne, und das Zuschauer- interesse ist enorm. 1998 folgt eine große Tournee, zwei CDs, und die simple Zauberformel Austria 3 wird zum überraschenden Geldsegen für die Musiker. Ein Happyend made in Austria.Klaus Wukovits

 

 

 

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Hubert von Goiserns Musik erwies sich als massenkompatibel für Folk-, Rock- und Schlagerfreunde – sein Abgang kam überraschend (rechts Gitarrist Stranzinger).

 

 

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Der Ansatz war vielversprechend: die romantischen, hippiesken Balladen von Papermoon wurden Mitte der 90er Jahre zum Kassenschlager.